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27.01.2017 News

VSD-Interview: Philip Laemmert - Doktorand an der Universität Bayreuth

1. Herr Laemmert, Sie stehen kurz vor Abschluss Ihrer Promotion im Bereich "Betriebliches Gesundheitsmanagement" an der Universität Bayreuth. Welches Thema haben Sie sich für Ihre Promotion ausgesucht und wie sind Sie auf das Thema gestoßen?

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Koordinator für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), welcher ich seit Anfang 2013 nachgehe, kam die Anfrage meiner Chefin Frau Prof. Dr. Susanne Tittlbach, ob ich die Einführung und Implementierung des BGMs an der Universität Bayreuth nicht auch mit einer Promotion wissenschaftlich begleiten möchte. Diese Herausforderung habe ich dann gerne angenommen und im Laufe der Bearbeitungszeit hat sich das Thema konkretisiert und einen sportwissenschaftlichen Fokus bekommen: so forsche ich zur Entwicklung eines Anforderungs- und Ressourcenprofils der Beschäftigten der Uni Bayreuth und der Rolle sportlicher Aktivität bei der (Belastungs-) Wahrnehmung arbeitsbedingter Anforderungen und unterstützender Ressourcen. Ziel ist die Ableitung bedarfsgerechter gesundheitsförderlicher Maßnahmen, welche dann im Rahmen des BGMs umgesetzt werden sollen.

2. Sie sind bereits Diplomierter Sportökonom - welche Vorteile versprechen Sie sich von einer Promotion für den weiteren Berufsweg?

Eine Promotion als Diplom-Sportökonom ist durchaus nicht gewöhnlich, allem voran wenn man nicht zwingend eine wissenschaftliche Karriere anstrebt. Ehrlich gesagt kann ich nicht genau beantworten, was ich mir durch die Promotion verspreche. Was ich feststelle ist, dass man in einer Promotionszeit die einzigartige Möglichkeit besitzt, sich intensiv mit unterschiedlichsten Facetten einer Thematik zu beschäftigen und dadurch ein enormes Wissen anzueignen. Durch Netzwerkarbeit in Gremien und die Zusammenarbeit mit Studierenden in praxisorientierten Veranstaltungen lässt sich auch gezielt Einblick in die Praxis generieren, was natürlich keine Praxiserfahrung durch eine Tätigkeit in einem Unternehmen, bei einer Krankenkasse oder einer Beratung ersetzt. Dennoch wird einem aus einer "neugierigen" Perspektive heraus Einblick auf unterschiedlichen Ebenen gewährt. Zudem bekommt man die Chance, zahlreiche Menschen kennenzulernen, die sich ebenfalls intensiv mit verwandten Themen beschäftigen. Dadurch entsteht auch ein persönliches Netzwerk, was sicherlich auch später mal hilfreich sein kann.
Da ich mich im Bereich der Gesundheitswissenschaften bewege, ist ein Doktortitel möglicherweise auch mit einem gewissen "Expertenstatus" konnotiert. Ob dies tatsächlich so ist und in meinem Berufsweg förderlich für meine persönliche Zielerreichung ist, das kann ich an dieser Stelle noch nicht beantworten.

3. Welche Erfahrungen konnten Sie in der Anfangszeit der Promotion sammeln bzw. welche Fehler sollten nachfolgend interessierte Promotions-Studierende vermeiden?

Hier könnte ich nun eine eigene Doktorarbeit zu Ihrer Frage schreiben...ich versuche, meine Erfahrungen knapp zusammenzufassen. In jedem Promotionsratgeber steht geschrieben, dass eine Dissertation allem voran eine Herausforderung an die eigene Persönlichkeit darstellt. Dies kann ich aus meiner Erfahrung bestätigen. Es geht tatsächlich darum, sich selbst und seinen Alltag zu managen. In meiner persönlichen Stellenkonstellation - einer halben Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl und einer halben Stelle als Koordinator für BGM - erfordert es enorme Disziplin, zwischendurch auch Zeit für die Dissertation zu finden und diese dann auch zu nutzen. Die wichtigste Erfahrung, die ich sammeln durfte, ist jedoch das Vertrauen in sich selbst. Trotz zahlreicher anfänglicher Zweifel und Sorgen, dass man diese Herausforderung nicht bewältigen kann, bin ich nun der Meinung, dass ich es schaffen werde, ohne mich selbst, meine Familie und mein Privatleben zu vergessen. Man denkt häufig, dass man in einer Promotion die Welt neu erfinden muss. Meiner Meinung nach geht es stets um das persönliche Ziel, welches man erreichen möchte und die Definition des persönlichen Erfolgs. Für mich bedeutet erfolgreich zu sein, einer verantwortungsvollen Aufgabe im Beruf nachzugehen und diese Tätigkeit in Einklang mit Familie, Partnerschaft und Sport zu bringen. Dies habe ich auch in meiner bisherigen Doktorandenzeit gelernt, dass ich dann auch effizienter und vor allem gesünder arbeite, da ich dem Beruf und der Diss auch nur eine bestimmte Zeit in meinem Leben einräume.
Auf Ihre Frage der vermeidbaren Fehler kann ich keine generalisierbare Antwort geben, da jeder angehende Promotionsstudierende seine persönlichen Fehler machen sollte und daraus lernen sollte. Ich rate dazu, sich nicht verrückt machen zu lassen von dem, was andere über ihre Promotionszeit berichten. Eine Promotionszeit ist tatsächlich eine Herausforderung, besonders aufgrund der häufig befristeten Arbeitsverträge und Ungewissheit ob der Finanzierung und der Zukunft. Nichtsdestotrotz möchte ich die Freiheit dieser Zeit nicht missen.

 4. Können Sie jetzt bereits Tipps geben (z.B. die 5 Do´s and Don´t s bei einer Promotion oder die Top Ten Schritte zur Promotion) für alle diejenigen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, einen Doktortitel zu erwerben?

Da ich die Promotion noch nicht geschafft habe, kann ich nur persönliche Erfahrungen weitergeben, die ich bisher sammeln durfte. Jede Promotion ist sehr unterschiedlich und die Voraussetzungen einer Promotion sind sehr heterogen (Stellensituation, Verhältnis zu Doktorvater/ Doktormutter, Fachrichtung, persönliche Situation, Promotion in einem Projekt etc.), aus diesem Grund muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Dennoch hier meine persönlichen 5 Do`s und 5 Don`ts:

5 Do`s:
Neugierig sein
Durchhalten und Dranbleiben
Vertrauen in Dich selbst
Austauschen, referieren und diskutieren
Schreiben

5 Don`ts:
Vergleich Dich nicht mit Anderen, jede Promotion ist mit extrem unterschiedlichen Voraussetzungen verknüpft
Keine Panik, es gibt Phasen, in denen es läuft und Phasen, in denen es nicht läuft!
Keine Zweifel an der eigenen Persönlichkeit, auch wenn die Diss mal nicht läuft!
Kein Thema bearbeiten, dass Dich nicht interessiert! Du musst Dich ein paar Jahre damit beschäftigen!
Vergesse nicht, eine Promotionsvereinbarung mit dem Doktorvater/ der Doktormutter zu verfassen!

5. Zum Inhalt: Ergeben sich aus Ihrer Thematik Anschlussthemen, die junge ambitionierte Absolventen reizen könnten, einen ähnlichen Weg zu beschreiten?

Die Grundidee der Arbeit ist aus der Intention einer Beschäftigtenbefragung im Rahmen des BGMs entstanden. Welche belastenden Anforderungen und welche unterstützenden Ressourcen liegen bei den Beschäftigten der Uni Bayreuth vor? Dies ist jedoch nur die Basisfrage, vielmehr liegt der Fokus auf der Fragestellung, welche Rolle sportliche Aktivität im Kontext Belatungswahrnehmung arbeitsbedingter Anforderungen und Wahrnehmung von unterstützenden Ressourcen einnehmen kann. Es geht letztendlich darum zu begründen, weshalb sportliche Aktivität im Bereich Gesundheitsförderung seine Berechtigung erfährt und welche Gesundheitsressourcen dadurch gestärkt werden sollten/ können, um einen positiven Einfluss auf die subjektive Gesundheitseinschätzung der Beschätigten im Setting Hochschule zu erreichen.

Im Nachgang wäre sinnvoll, Langzeitstudien mit Interventionen durchzuführen, ob sich durch sportliche Aktivität in der Gesundheitsförderung tatsächlich auch messbare Erfolge in Bezug auf Fehlzeiten und Krankheitsstand erzielen lassen. Spannend wäre jedoch auch, ob durch sportliche eine Steigerung des Wohlbefindens und Verbesserung des Arbeitsklimas am Arbeitsplatz möglich ist und wie man Nichtsportler zu einem gesundheitsförderlicheren Verhalten am Arbeitsplatz motivieren kann.

Kontakt zu Philip Laemmert:   Philipp.Laemmert(at)uni-bayreuth.de oder http://bit.ly/2jCVLIF