Facebook Twitter Xing
16.12.2019 News

VSD-Review: Sportplatz mit fairplaid in Berlin erfolgreich - Oliver Hrnecek erster VSD-Arbeitskreissprecher "Crowdfunding"

"Crowdfunding - die Zukunft der Sportförderung?". Diese Frage stand im Mittelpunkt des 14. VSD-Sportplatzes in der Hauptstadt Berlin. In Kooperation mit fairplaid wurde eine hochwertige Expertenrunde aus Sport, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammengestellt. Für die TeilenhmerInnen gab es an dem Abend eine spannende Podiumsdiskussion inklusive eines gemütlichen Austauschs beim Landessportbund Berlin e.V.

Spätestens nach dem Impulsvortrag von fairplaid Geschäftsführer Torsten Lührs war den TeilnehmerInnen klar, welche Bedeutung Crowdfunding mittlerweile in der nationalen und, umso mehr, gobalen (Sport-) Landschaft erreicht hat. Im direkten Anschluss tauschten sich unsere Experten aus unterschiedlichen (Sport-) Organisationen aus und diskutierten intensiv über die Rolle von Crowfunding in der deutschen Sportförderung. Neben Franziska Keich (Abteilungsleitung Basketball - Türkiyemspor Berlin 1978 e.V.), Stephan Hartramph (Leitung Vertrieb & Marketing - Berlin Recycling GmbH) und Jens Krüger (Abteilungsleiter Finanzen und stellv. Direktor - Landesportbund Berlin e.V.), waren Prof. Dr. Gerald Fritz (Prof. Sportmanagement & Campusleiter Hochschule für angewandtes Management Berlin) und Torsten Lührs (Geschäftsführung - fairplaid GmbH) auf dem Podium, um Ihre Einschätzung und Bewertung zu dem Thema mit einfließen zu lassen.

VSD-Vorstand Stephan Peters, der den Abend unter anderem moderierte, sieht neben den Erkenntnissen der Podiumsdiskussion, eine weitere Sache als ganz besonders: "Mich persönlich freut es sehr, dass wir mit Oli Hrnecek an diesem Abend unseren ersten Arbeitskreissprecher "Crowdfunding" gewonnen haben. Ab sofort steht Oliver allen VSD-Mitgliedern für Fragen Rund um das Thema zur Verfügung."

Sie haben Fragen zum Thema "Crowdfunding"? Melden Sie sich gerne bei Oliver Hrnecek unter: o.hrnecek(at)vsd-online.de.

Für uns Grund genug, um dem frischgebackenen Arbeitskreissprecher in einem VSD-Interview ein paar Fragen zu stellen.

VSD-Interview: Oliver Hrnecek - Arbeitskreissprecher "Crowdfunding"

1. Welche Ziele/Faktoren haben Sie zur Gründung von fairplaid bewegt? 

Angefangen hat alles mit einem Studienprojekt im Rahmen einer Abschlussarbeit. Auch hier ging es um die Förderung eines Sportprojektes. Im Fokus stand dabei Crowdfunding als innovative und alternative Finanzierungstool; bis dato im deutschsprachigen Raum in der Sportlandschaft noch gänzlich ungenutzt.

Der Mechanismus ist für jedem gleich – absolut transparent und demokratisch. Denn beim Crowdfunding entscheidet die Community, die Unterstützer, welches Projekt sozusagen förderwürdig ist und welches nicht. Die Chancen dabei sind bei jedem gleich, völlig unabhängig ob Leistungs- oder Amateursportler, ob Breiten- oder Randsportart. Jeder hat die gleichen Möglichkeiten, sein Vorhaben, sein Projekt zu realisieren. Am Ende wollen wir die Leute handlungsfähig machen. Wir wollen ihnen diese Möglichkeit aufzeigen, das Tool Crowdfunding in die Hand geben und wie es einzusetzen ist (Stichwort Hilfe zur Selbsthilfe). Dabei geht es uns im Großen und Ganzen um die Förderung der Vielfalt im Sport. Wir ermöglichen aktiven Sport für jeden, unabhängig von finanziellen Hürden und Herkunft.

2. Wie sehen Sie die Entwicklung in der Sportförderung in der BRD?

Die Kriterien der Sportförderung sind zum Großteil stark erfolgsorientiert. Vor allem olympische stehen hier im Fokus der Förderung. Die Verteilung der Fördermittel folgt zu oft Kriterien wie Erfolgswahrscheinlichkeit, Leistungspotential und Kaderzugehörigkeit. Das ist allerdings nur ein wichtiger Bestandteil für die Sportförderung, und auch nur auf der Leistungsebene anwendbar. Es finden kaum bis keine Rand-, Nischen-, und Trendsportarten statt. Dennoch ist ein Trend zu erkennen, dass genau diese Breitensportarten mehr und mehr Beachtung finden.

Es wird immer eine schwierige Frage bleiben, wo die Verantwortungsbereiche für die Sportförderung liegen und wie genau die Verteilung aussehen soll. Die Mittel aus den klassischen Fördertöpfen wie Bund und Sponsoring sind begrenzt und folglich werden auch nie alle gleichermaßen profitieren können. Es fehlt an Weiterentwicklungen des Sponsorings und der Förderung – genau hier setzen wir an mit der plattformgestützten Sportförderung mit Hilfe des Crowdfunding-Mechanismus: Sportcrowdfunding wird zur neuen Säule der Sportförderung.

3. Was macht Sportcrowdfunding so erfolgreich? 

Der große Vorteil von Sportcrowdfunding ist seine Chancengleichheit und Fokus auf die Aktivierung seines sozialen Umfeldes – ich habe eine Bühne für mein Projekt und engagiere Fans, Freunde, Mitglieder und Sponsoren für meinen Sport. Grundsätzlich kann jeder sein Projekt anlegen, seinen Förderbedarf kundtun und hierüber die benötigte Finanzierung ermöglichen. Über die Förderung entscheidet auch kein Gremium, kein Ausschuss oder eine sonstige geschlossene Entscheidungsinstanz, sondern die Community, also im Prinzip jeder, der da Projekt unterstützen und fördern möchten, völlig transparent und demokratisch unabhängig von vordefinierten Förderkriterien.

So ein Crowdfunding ist auch immer ein sogenannter „Social Proof" und zeigt auch, ob denn jenes Projekt auch förderwürdig ist. Wenn die Bereitschaft in der Community gegeben ist, ein konkretes Projekt zu unterstützen, dann ist das auch ein Signal für die jeweilige Sportart, für den Verein, für die Mannschaft, für den Sportler oder die Sportlerin. 

4. Welche Stärken und Schwächen sehen Sie im Bereich Crowdfunding?

Stärken sind ganz klar die Chancengleichheit, die Transparenz und der demokratische Förderprozess. Sportcrowdfunding unterstützt bzw. belohnt soziales Engagement im Sport. Hierüber werden die Möglichmacher, die Engagierten im Sport, in unserer Gesellschaft direkt erreicht. Vor allem für Breiten- und Nischensportarten ergeben sich hier neue Möglichkeiten. 

Mit Crowdfunding lassen sich auch Unterstützer erreichen, die im Normalfall sich nicht an der Förderung von Sportprojekten beteiligen. Sei es, weil es nicht bekannt ist oder auch weil die Zugänge zu möglichen Fördermöglichkeiten nicht vorhanden sind. Das funktioniert auch wunderbar in Ergänzung mit den klassischen und bewehrten Fördersäulen und das ist auch unser Ansatz: wir sehen Crowdfunding als Ergänzung hierzu und versuchen auch immer, die verschiedenen Tools miteinander zu verknüpfen, sodass diese bestenfalls auch voneinander profitieren. 

Sportcrowdfunding ist die innovativste Weiterentwicklung von Spenden und Sponsoring. Ergebnis ist die plattformgestützte Projektförderung und die Erreichbarkeit der attraktivsten Zielgruppen: die Multiplikatoren, Engagierten und Macher unserer Gesellschaft.

Die Komplexität, die vielschichtigen Mechanismen, die Crowdfunding mit sich bringt, wird allerding noch stark unterschätz bzw. ist noch schwer greifbar und bedarf noch viel Aufklärungsarbeit. Das zeigt sich wiederum ab und an in der Umsetzung mit liegengelassenem Potential. 

5. Woran können Crowdfunding Kampagnen scheitern?

Wenn jemand sein Projekt gestartet hat und sich engagiert ist das bereits ein erster großer Erfolg und Meilenstein – man geht damit immerhin an die Öffentlichkeit und aktiviert für sein Projekt. Das „Nichterreichen“ der Zielsumme begründet sich oft auf einer Fehleinschätzung des Förderbedarfs bzw. Innaktivität zu Beginn der Kampagne. Das wird allerdings in der Projektberatung abgefangen und durch den kompletten Prozess geführt, woraus sich eine Erfolgsquote von über 85 Prozent der Projekte ergibt. Eine gute Vorbereitung, ein klarer Kommunikationsplan und vor allem ein authentisches Auftreten ist mindestens die halbe Miete wert. 

Da das Thema auch noch relativ jung ist und folglich noch viel Erklärungs- und Beratungsbedarf erfordert, fehlt es oft natürlich auch an Erfahrungswerten und Knowhow. Aber genau dafür sind wir auch da.

Es kommt auch vor, dass ein Projekt von der Community als nicht förderwürdig angesehen wird. Das kann verschiedene Gründe haben und müsste im Einzelfall genauer analysiert werden. Wir reden hier auch oft von dem sogenannten Social Proof. Eine Crowdfunding Kampagne kann demnach auch als Test bzw. Nachweis angesehen werden, ein Proof, um zu sehen, ob das eigene Vorhaben Interesse weckst und entsprechend die Leute bereit sind, es zu unterstützen.

6. Was zeichnet eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne aus?

Ganz klar Authentizität und eine gute Vorbereitung mit einem klaren Plan. Wichtig dabei ist auch immer, wer hinter dem Projekt steht. Wer ist das Projektteam? Wer zieht mit? So eine Kampagne ist auch immer ein interner Prozess, wenn es darum geht, wer in der Umsetzung beteiligt ist und wer die Aktiven hinter dem Projekt sind. 

Ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement macht sich bemerkbar und spiegelt sich in der Außendarstellung und letztlich auch in der Unterstützungsbereitschaft eines Projektes. 

7. Was zeichnet Ihr Förderkonzept aus und warum entscheiden sich Menschen für fairplaid Crowdfunding?

Unser Ursprung liegt im Sportcrowdfunding und auch wir sind alle im und mit Sport großgeworden. Wir kennen also unsere Projektstarter – Athleten, Vereinsvertreter, Ehrenamtler – und sprechen sozusagen die gleiche Sprache. Wenn es um Sportcrowdfunding geht, kommt man um uns kaum herum und hier bieten jahreslanges Knowhow. Dazu kommt unser individuelles und persönliches Projekt-Coaching. Das verschaffte uns auch über die Jahre eine Erfolgsquote von 85 Prozent. 

Zusätzlich können unsere Projektstarter auch von unserem #sportfairleibt-Fördertopf profitieren und pro Unterstützung weitere Mittel für ihr Projekt gewinnen. 

8. Was ist Whitelable/Technologie? Welche Vorteile entstehen daraus?

Wir sind nicht nur Betreiber unsere eigenen Plattforme, sondern auch Technologie-Dienstleister und bieten Organisationen und Unternehmen eigene Crowdfunding-Plattformen mit Full-Service-Crowdfunding an. Dank unserer eigenen Technologie haben wir die Möglichkeit, individuelle Plattformen, Whitelable-Plattformen, abzubilden. Gestartet sind wir in diesem Feld mit der BW-Crowd in Zusammenarbeit mit der BW-Bank in Baden-Württemberg. Mittlerweile betreuen wir 26 Plattformen in ganz Deutschland, wie unter anderem die Toyota-Crowd, Berlin-Recycling-Crowd und Menden-Crowd.  

Wir verknüpfen soziales und gesellschaftliches Engagement mit Vertriebsaktivitäten. Damit die Unternehmen und Organisationen nachhaltig ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht werden und positive Kommunikationsanlässe als „Möglichmacher“ bieten, liefern wir mit fairplaid Crowdfunding eine ganzheitliche Lösung.

In den Unternehmen unterschiedlichster Größenordnung gehen jährlich tausendfach Spenden- und Sponsoringanfragen ein, was den gesellschaftlichen Handlungsdruck weiter verstärkt. Die meisten von Ihnen werden nur sehr bedient oder müssen meistens abgesagt werden, sofern sie überhaupt beantwortet werden können. Trotz sinkender Budgets steigt gleichzeitig die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit an die Unternehmen als Förderer in der Region. Das bisher eingesetzte Sponsoring- und Spendenvolumen wird effizienter eingesetzt und erreicht ein Vielfaches an ausgeschüttetem Gesamtvolumen – die „soziale Rendite“ wird skalierbar und demokratisiert, indem die Bevölkerung in die Entscheidung und Finanzierung der Projekte mit einbezogen wird. 

9. Do‘s und Don’ts im Crowdfunding?

Do`s: einfach machen, mutig sein und nachfragen.

Don’ts: ohne Plan in die Umsetzung gehen

10. Ist Crowdfunding eher als Ergänzung oder Substitut zur klassischen Sportförderung einzuordnen?

Für uns ist Crowdfunding eine Ergänzung zur klassischen Sportförderung und soll auch als solche eingesetzt werden. So kann u.a. eine Crowdfunding-Kampagne wunderbar mit Sponsoring verknüpft werden. Auf der einen Seite können bspw. Sponsoring-Pakete in Form von Prämien platziert oder auch bestehende Partner und Sponsoren in den Unterstützungsprozess aktiv mit einbezogen werden. 

11. Ist Crowdfunding auch als Marketinginstrument einzusetzen?

Crowdfunding verknüpft vielmehr verschiedene Instrumente und kann in den ganzheitlichen Marketingprozess eingebunden werden. Eine Crowdfunding-Kampagne lebt von ihrem Content und dieser hilft natürlich enorm auf den verschiedenen Kommunikationskanälen. 

12. Wie groß ist Ihrer Meinung nach das Potenzial von Crowdfunding?

Das Potential ist riesig und noch lange nicht ausgeschöpft. Crowdfunding steht immer noch am Anfang. Vor allem innerhalb der letzten zwei, drei Jahre hat sich Crowdfunding als alternatives Finanzierungstool mehr und mehr etabliert, was sich auch an der Zunahme neuer Plattformen und Anbieter und folglich auch die Steigerung der Gesamtfundingsumme bemerkbar gemacht. Wie weit das gehen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Wie sehen vor allem im Sport einen großen Bedarf und so lange die Aktiven von Förderungen abhängig sind, wird auch Crowdfunding immer eine Option als Quelle sein. 

13. Welche Relevanz/Stellenwert hat Crowdfunding aktuell im Bereich Sportmanagement?

Leider noch eine viel zu geringe. Crowdfunding im Allgemeinen findet in der Wissenschaft schon Beachtung, hingegen im speziellen Sportcrowdfunding noch viel Nachholebedarf hat. Hier haben wir verschiedene Kooperationen mit Hochschulen, wie der Hochschule Ludwigshafen oder der HAM (Hochschule für angewandtes Management), um das Thema u.a. in Form von Gastvorträgen und Studienprojekten voranzubringen.

Sie haben Fragen zum Thema "Crowdfunding"? Melden Sie sich gerne bei Oliver Hrnecek unter: o.hrnecek(at)vsd-online.de.