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03.07.2021 News

Viererkette: Gedanken zu Bemerkenswertem im Sportmanagement - UEFA – Symbol-Debatte oder berechtigte Kritik

Unsere Kolumne "Viererkette: Gedanken zu Bemerkenswertem im Sportmanagement" geht in die nächste Runde! Im regelmäßigen Abstand wird sie mit sportthematischen Gedankenanstößen von unseren vier Experten aus dem VSD-Netzwerk gefüllt wird. Mit dabei sind: Prof. Gerhard Nowak, Mario Leo, Gregor Faßbender-Menzel und Stephan Peters. Dabei nimmt jeder der vier Experten einen unterschiedlichen Blickwinkel ein. In der aktuellen Kolumne teilen Prof. Dr. Gerhard Nowak und Mario Leo mit Ihnen ihre Gedanken zur UEFA EURO 2020.

Viel wird über die UEFA diskutiert: ihre Entscheidungen, ihren kommerziellen Ansatz, ihre Sponsoren, die Macht, die Politik, die Wettbewerbe und tatsächlich noch vieles mehr…

Nicht nur die Medien berichten (derzeit) regelmäßig darüber, die Diskussion findet, besonders während der EURO, täglich in den Digitalen Medien statt. Meinungen treffen aufeinander! Häufig steht die UEFA als „schuldige“ Organisation am Pranger – berechtigt oder ist dies eine symbolische Debatte um Werte oder gar Doppelmoral.

Und besonders Deutschland bzw. die Sportbranche in Deutschland beteiligt sich sehr intensiv in den Sozialen Medien an diesen Diskussionen. Fast schon ‚federführend‘…

Ja, der Sport wird immer politischer, nicht nur aus Sicht der Politik um den Sport für die jeweiligen Zwecke zu nutzen, sondern auch aus der eigenen „Kraft“ heraus. Für (körperliche und geistige) Gesundheit der Gesellschaft, Integration, soziale Beziehungen und Vielfalt gilt der Sport als besonders geeignet und setzt auch im Bereich Nachhaltigkeit immer mehr Akzente.

Und die UEFA, als eine der innovativsten und führenden Organisationen, möchte sich hier besonders positionieren. Macht sicherlich nicht alles richtig, aber sind alle Kritikpunkte berechtigt? Diesen Fragen möchte ich versuchen zu beantworten…

UEFA & KOMMERZ

Die UEFA möchte immer mehr Geld scheffeln, immer mehr Wettbewerbe etablieren, um noch mehr Einnahmen zu generieren! Immer mehr, immer schneller, koste es was es wolle… Wohl der am häufigsten genannte Kritikpunkt – allerdings wird nie die Frage gestellt oder darüber diskutiert, wem diese Einnahmen zu Gute kommen!?!

Die UEFA ist per se eine Non-Profit-Unternehmung, darf also per Satzung gar keine Gewinne erzielen! Alle erzielten Erlöse, zum Beispiel der jetzigen EURO, werden entsprechend an die (derzeit) 55 Mitgliedsverbände verteilt, um den Fußballsport in Europa weiter zu stärken und die Position der Sportart nachhaltig zu festigen.

Die Förderung und Entwicklung des Fußballs in ganz Europa ist eine der wichtigsten Aufgaben der UEFA und ihrer 55 Mitgliedsverbände. Zu diesem Zweck hat der Dachverband 2015 das Programm UEFA GROW eingeführt, um für ein systematisches und strategisches Wachstum des europäischen Fußballs durch eine produktive Zusammenarbeit mit den Nationalverbänden zu sorgen, in deren Rahmen diese in die Lage versetzt werden, ihr Potenzial auf und neben dem Rasen optimal auszuschöpfen.

Das bedeutet schlussendlich, ist die UEFA erfolgreich, hilft es jedem Verband, ob groß oder klein, den Fußballsport stetig weiter zu entwickeln. Daher ist diese Diskussion für mich eine Symbol-Diskussion, denn die UEFA ist nicht gierig aus Eigeninteresse, sondern getrieben vom Interesse der Fußballverbände Europas.

UEFA & SPONSOREN der EURO 2021

Alipay, Vivo, Hisense, TikTok aus China, Gazprom aus Russland, die große Anzahl osteuropäischer und asiatischer Sponsoren wird heftig diskutiert. Es sind kleine/ große Vorboten, was uns in näherer Zukunft immer häufiger und regelmäßiger vor Auge geführt wird. Besonders mit einem neuen Moralverständnis, dass Anbieter und Produkte von alkoholischen Genussmitteln, die Wett-Industrie und ungesunde Lebensmittel bei sportlichen Großereignissen weniger Sichtbarkeit erhalten sollen. Die EURO ist medial ein globales Großereignis – chinesische Marketingexperten berichten von über 2,5 Milliarden Kontaktpunkte für die Sponsoren aus China, fast 50% davon direkt in China. Was fast die gesamte Bevölkerung darstellt – versteht man dann die asiatische Kultur, die einen unglaublichen Stolz eigene, bekannte Produkte und Unternehmen bei globalen Großereignissen zu sehen bzw. zu erkennen, dann sind die Sponsoren genau am rechten Fleck, beim perfekten Event.

Die Globalisierung entwickelt sich mit der Digitalen Transformation immer schneller. In dieser Transformation sind asiatische Unternehmen einfach deutlich weiter und setzen ihr Marketing-Budget gezielt ein, um Bekanntheit im europäischen Markt zu steigern und die Nutzung ihrer jeweiligen Angebote in den schon aktiven Märkten stark und zügig weiter auszubauen. Die berechtigte Frage, die man eigentlich stellen müsste: Werden wir zukünftig keine europäischen Marken und Produkte mehr bei global relevanten Sportereignissen sehen?

MORALHÜTER DEUTSCHLAND

Die Regenbogenfarben der Münchner Arena, wohl der am meist-diskutierteste Punkt der vergangenen Woche, besonders in Deutschland. Absolut berechtigt und ich bin mir sicher, dass die UEFA hier die Tragweite der Diskussion in Deutschland zunächst unterschätzte und die Notwendigkeit der zügigen Kommunikation, sowie der Positionierung nicht eingehalten wurde.

Allerdings durfte ich Teil der Kommunikationskette sein, bei der die UEFA mit den anderen Standorten darüber diskutierte, ob man dies standortübergreifend umsetzen möchte oder eben nicht. Zu dieser Diskussion wurde der Antrag bzw. das Interview des Münchner OB inkludiert – da dieser sich in diesem Interview so positionierte, diesen Antrag aufgrund des Gesetzes in Ungarn gestellt zu haben, war den anderen Standorten dies zu heikel und zu politisch. Die UEFA hat daraufhin den Antrag zum Spieltag abgelehnt, allerdings auch einen alternativen Zeitpunkt während des Turniers in Aussicht gestellt, die in den Medien nur wenig Beachtung fand und vom Münchner OB abgelehnt wurde.

Wäre anders entschieden worden, hätte der OB den direkten Bezug zu Ungarn nicht getätigt – schwierig zu beantworten, möglicherweise schon, weil der Sport bei den Themen Inklusion, Integration und Vielfalt immer eine wichtige Rolle einnimmt!

In dieser Diskussion darf es keine Gewinner oder Verlierer geben, sondern hier sind alle Menschen gefordert, Respekt, Toleranz und Inklusion vorzuleben – denn obwohl diese Debatte schon Jahren recht öffentlich geführt wird, gibt es keine große Anzahl an Sportlern, die sich zum Outing entschlossen haben und hier gilt es für mich nach Gründen zu suchen!!!

Und daher ist es unabdingbar verschiedene Blickwinkel einzunehmen, um sich Vor- oder Nachteile, Pro & Contra verständlich machen zu können und nicht nur singulär einen Beweggrund oder einen Anlass zu nehmen, eine pauschale Haltung oder Meinung zu vertreten oder zu äußern.

Über den Autor

Die Karriere von Mario Leo ist sehr international verlaufen, mit Stationen in England, U.S.A., Australien und Malaysia. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2005 leitete er die Geschicke eines Münchner Applikationsanbieters für Festnetz- und Mobilfunk-Unternehmen. Im Juli 2008 gründete er die RESULT, deren Geschäftsführer er seither ist. RESULT Sports ist als Plattform für den ganzheitlichen Einsatz der Digitalen Medien im Sport (Web, Mobil und Social Media) aktiv. Schwerpunkt und Fokus liegen auf dem Gebiet des Digitalen Marketing, Digitalen Monitoring und der Digitalen Vermarktung. 

Mario Leo ist diplomierter Fußballmanager, sowie Stadion- und Arena Manager. Seit 2012 ist er Dozent für Digitale Sport Medien an der Hochschule IST in Düsseldorf und Gastdozent bei einer Vielzahl von Universitäten, u.a. in den U.S.A., China, Spanien; Südafrika, Nigeria und weiteren Ländern. Seit dem Frühjahr 2018 ist Mario Leo Mentor im UEFA GROW Programm und begleitet/ unterstützt europäische Fußballverbände in der strategischen Entwicklung und Positionierung.  Im März 2020 veröffentlichte Mario Leo das Buch „Kaufen Sie Ronaldo – Wie Facebook, Google und Instagram den Profisport verändern“ im Werkstatt Verlag.

Lesen Sie HIER die aktuelle Kolumne von Prof. Dr. Gerhard Nowak mit seinem Statement zur UEFA EURO 2020.