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02.04.2021 News

Viererkette: Gedanken zu Bemerkenswertem im Sportmanagement - "Das schwimmende Einhorn ist aufgetaucht"

Unsere Kolumne "Viererkette: Gedanken zu Bemerkenswertem im Sportmanagement" geht in die fünfte Runde! Im regelmäßigen Abstand wird sie mit sportthematischen Gedankenanstößen von unseren vier Experten aus dem VSD-Netzwerk gefüllt wird. Mit dabei sind: Prof. Gerhard Nowak, Mario Leo, Gregor Faßbender-Menzel und Stephan Peters. Dabei nimmt jeder der vier Experten einen unterschiedlichen Blickwinkel ein. In der aktuellen Kolumne teilt Prof. Gerhard Nowak mit Ihnen seine Gedanken

Das schwimmende Einhorn ist aufgetaucht

In ihren sportlichen Glanzzeiten war Weltklasse-Schwimmerin Franziska van Almsick die erfolgreiche „Berliner Göre“ (Ex-Manager Köster). Heute positioniert sie sich mit drei Buchstaben als „FvA“. Cool. Lässig. Für die Vermarktung im Sinne der identitätsorientierten Markenführung eine Steilvorlage. In meinen Augen ist sie eine tolle Frau. Tausende von Kindern und Jugendlichen sind durch sie zum Schwimmsport gekommen. Sie war eine grandiose Spitzensportlerin und eine geschätzte ARD-Co-Moderatorin. Diese Kernkompetenz sollte sie sich erhalten und nutzen. Aber entweder hört FvA aktuell nicht auf Marketingexperten oder sie fragt niemanden.

Ihre Autobiographie „Aufgetaucht“ (2004) war ein ehrlicher Versuch der Emanzipation ins Leben nach dem Sportleben. Mit nunmehr 42 Jahren Lebenserfahrung schwimmt sie sich langsam frei. Allerdings bewegt sich FvA im Moment außerhalb eines gekachelten Schwimmbeckens scheinbar orientierungslos in der Brandung von Lebenswirklichkeiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie Botschafterin der Entain Foundation wird. Warum, sagt sie dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Die Leidenschaft und das Engagement des Entain-Teams bei seinen Investitionen in den Breitensport und die gesellschaftliche Verantwortung, die hier übernommen wird, haben mich davon überzeugt, mich hier in den Dienst einer sehr sinnvollen Arbeit stellen zu können." – Hallo? Die Entain Fondation ist in meinen Augen ein trojanisches Pferd. 2019 gegründet, fühlt sich die Stiftung verpflichtet, „in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Pfund zu spenden, einschließlich unseres neuen Pitching-In-Programms, das Breitensport und Sportler unterstützt.“ (Homepage entaingroup). – Das wäre ehren- und lobenswert. Aber warum vernachlässigt man, dass die Muttergesellschaft der Stiftung bwin ist? Ein umstrittener Glücksspielanbieter. Bekämpfung von Spielsucht bei Kindern und Jugendlichen wäre klasse. Weniger Konsole, dafür mehr Kondition. Das wär´s. Isses aber bei der Stiftung nicht.

FvA hätte ausreichende Betätigungsfelder bei ihren bestehenden Engagements als Botschafterin der Sky Stiftung oder als stellvertretende Vorsitzende im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Oder ist das neue Engagement nicht ehrenamtlich? Dem Lockruf des Geldes ist FvA letztens bei der Pro7-Show "The Masked Singer" gefolgt. Dort wurde sie in Folge 2 sofort als das Einhorn enthüllt. Da das zauberhafte Fabelwesen am Ende des Abends zu wenige Stimmen der Zuschauer bekam, musste es sich geschlagen geben und die Maske ablegen. – Ich wünschte mir, FvA tut dies grundsätzlich. Um Idol zu bleiben.

Oder ist es Sportdeutschland egal, wie es SpitzensportlerInnen nach ihrer Karriere geht?

 

Prof. Dr. Gerhard Nowak ist Dekan der IST-Hochschule für Management im Fachbereich Sportmanagement. Er studierte und promovierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Nowak ist Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der PR-Agentur Sportline GmbH (seit 1988).

Seit 2015 veröffentlicht Nowak seinen wöchentlichen Podcast 99 Sekunden Sportbusiness kompakt. 2019 erschien als Fachliteratur sein viel beachteter Herausgeberband „Angewandte Sportökonomie des 21. Jahrhunderts“.

Sie haben Fragen oder Anregungen zu unserer Kolumne oder möchten sich gerne mit dem Autor austauschen? Hier können Sie mit Gerhard Nowak in Kontakt treten.